Schlossgarten - Weilburger Rundgang

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Station 10: Schlossgarten
  
  
  Der Schlossgarten - die Blätter der Buchen flüstern von Liebe, Lust und Leid! – Die Liebesheirat der Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg


Der Weg im Schlossgarten führt Sie an der Oberen Oran­gerie vorbei, die 1705 vollendet wurde.
Hier fanden früher die prunkvollen Feste statt. Die Türen zum Garten blieben offen, damit die adelige Gesellschaft unter den Bäumen “lustwandeln“ konnte.
Wir wollen an dieser Stelle lieber nicht spekulieren, welche sü­ßen Geheimnisse die alten Rotbuchen bewahren, z. B. ein heimlicher Kuss oder einen heftigen Streit.

Die Obere Orangerie verbindet das Hochschloss mit der Schlosskirche sowie dem Schlosspark.

Der Bau wurde 1703-1705 gemäß der Planung Julius Lud­wig Rothweils im Auftrag Graf Johann-Ernst errichtet.
Sie besteht aus einem zentralen Festsaal und zwei flan­kieren­den Galerien.

In der Mitte ist an einem Dreiecksgiebel das Allianzwappen Johann-Ernst von Nassau-Weilburg und Maria Polyxena von Leiningen-Hartenberg angebracht.
Die obere Orangerie erfüllte mehrere Aufgaben. Zum einen diente sie als Kirchgang, durch den das Hochschloss di­rekt mit der Kirche verbunden ist. Zum anderen diente sie als großer Festsaal des Schlos­ses.

Schlossgarten
Im Rahmen des Schlossausbaus wurde der Garten als Fran­zösischer Garten (Vorbild Versailles) von den beiden Gärtnern Francois LeMarie ab 1700 und Johann Michael Petri ab 1708 neu gestaltet und angelegt.
Der hier aufgestellte Brunnen zeigt Herakles im Kampf mit Antaios. Er ist flankiert von vier Statuen, die die vier Ele­mente Feuer, Wasser, Luft und Erde darstellen.

Die Gesamtfläche des Gartens beträgt ca. 3,3 Hektar. Zur Lahn hin wird der Schlossgarten durch eine bis zu 12 Me­ter hohe Mauer ge­sichert, so dass Sie von hier aus einen weiten Blick über die Lahn und Weilburg genießen kön­nen.
Die südliche Hälfte der oberen Terrasse nimmt ein Linden­boskett (auch Lindensaal genannt) ein.

Die Liebesgeschichte
der Prinzessin Henriette von Weilburg
Am 17. September 1815 heiratete Henriette in Weilburg Erz­herzog Karl von Österreich, der 26 Jahre älter war.



Dies war die erste "Mischehe" im Hause Habsburg. Erz­herzog Karl von Österreich war Katholik, Prinzessin Hen­riette Protestantin. Es wurde eine glückliche Ehe, aus der sieben Kinder hervorgingen.


Erzherzog Karl ließ für Henriette in Baden bei Wien das Schloss „Weilburg“ errichten. Auch für den Besuch des evan­gelischen Gottesdienstes war gesorgt.

Obwohl in evangelischen Bethäusern ein straßenseitiger Zu­gang verboten war, wurde für sie in der Reformierten Stadtkir­che das so genannte Henriettentor eingebaut.

Und so fing diese Liebesgeschichte an:

Nach der Schlacht bei Waterloo im Jahr 1815 war Napo­leon endgültig besiegt.

Auch Erzherzog Karl von Österreich hatte in den vorausge­gangenen zahlreichen Schlachten gegen Napo­leon gekämpft.  
Im Napoleonischen Krieg war er Generalissimus und be­siegte erstmals 1809 Napoleon in der Schlacht bei Aspern, verlor je­doch die Schlacht bei Wagram und schloss den Waffenstill­stand von Znaim, wofür er von Kaiser Franz I. gemaßregelt und suspendiert wurde.

Als Erzherzog Karl sah, dass seine militärische Laufbahn beendet war, befasste er sich mit Heiratsplänen.

Natürlich hatte der kaiserliche Hof in Wien unter der Regie von Fürst Metternich Heiratspläne für den kaiserlichen Prinzen entworfen. Karl wollte jedoch selbst seine Braut­wahl treffen.
In der Nachkriegszeit hatte Erzherzog Karl mit seinem Bruder Johann „wegen einer passenden Partie“ den Go­tha‘schen Adelskalender durchforstet:
Eine deutsche Prinzessin sollte es ein und die „Stimme des Herzens“ sollte den Ausschlag geben!

Während des Wiener Kongresses (1813-1815) wurde der nas­sauische Staatsmann, Freiherr von Gagern, diskret ge­fragt, ob er nicht eine passende Prinzessin wüsste, es könne auch eine protestantische sein. Danach suchte Erz­herzog Karl auffallend oft in Wien die Gesellschaft des Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau – Weilburg.

Während seiner Gouverneurszeit in Mainz machte Erzher­zog Karl einen Besuch auf Schloss Weilburg an der Lahn.

Am 26. April 1815 wurde er freundlich von der Familie des Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau -Weilburg empfan­gen und fand in der lieblichen Prinzessin Henriette „das Urbild des häuslichen Glückes“, wie er begeistert seinem Bruder Erzher­zog Josef schrieb.
Auch Henriette war glücklich über die Umwerbung Karls und erwiderte seine Liebe.
Die Verlobung wurde nach der Zustimmung des Kaisers und Herzog Alberts am 8. Juni 1815 in Weilburg gefeiert.

Es entstand ein reger Briefwechsel zwischen Weilburg und Mainz.
35 Briefe Henriettes (vom 15. Juni bis zum 13. September 1815) sind erhalten. Sie spiegeln die wachsende Zunei­gung und Liebe der beiden Verlobten wider.

So schrieb Henriette am 5. Juli an ihren “besten Freund“:

„……Das Versprechen, mir recht oft zu schreiben, hat mich unaussprechlich beglückt – die Tage, an welchen mir ihre Briefe zukommen, sind die glücklichsten, welche ich habe. Die übrigen schleiche ich herum wie eine Träu­mende und zähle Stunden und Minuten, bis ich wohl wie­der durch Nachricht von meinem geliebten Freund erfreut werden könnte.
Sie sehen also, dass es ein Werk der Barmherzigkeit ist, wenn Sie mir oft solche vergnügten Tage machen.“

Am 10. Juli 1815 war Kaiser Franz mit seinen Verbündeten in Paris eingezogen. Nun schien sich die Sehnsucht nach einem Frieden nach dem endgültigen Sturz von Napoleon zu erfüllen.
Inzwischen war der Ehekontrakt geschlossen. Henriette musste keinen Konfessionswechsel vollziehen.
Ihr wurde auch die größte Freiheit in der Ausübung  ihres protestantischen Religionsbekenntnisses garantiert. Dies musste auch nach anfänglichem Widerstand Fürst Metter­nich akzeptieren.

Diese Ehebewilligung war nach Auffassung des erzkatho­lischen Kaiserhauses und des Wiener Adels eine „Neu­heit“.

Immer wieder kam Erzherzog Karl zu kurzen Besuchen nach Weilburg, und die Beziehung der beiden Verlobten vertiefte sich. Der letzte Brief Henriettes ist vom 13. Sep­tember 1815 datiert:

... so unbeschreiblich viel Vergnügen es mir auch machte, Dir, liebster Freund zu schreiben, so kann ich doch nicht leugnen, dass ich heute mit unendlicher Freude bedacht habe, dass dies für hoffentlich recht lange Zeit der letzte Brief ist, welchen Du von mir erhältst, über­haupt, dass übermorgen der glückliche Tag ist, an wel­chem ich Dich wiedersehen werde, ohne Ursache zu ha­ben, eine neue Trennung zu befürchten.  ………
bald nehme ich wieder meinen lieben Platz am Fenster ein, um wenigstens einige Augenblicke früher das Glück zu haben, dich zu sehen.“

Ein Billet des Erzherzogs, das er Henriette widmete, ist eben­falls erhalten geblieben:

Zum Führer der Heere bestimmt
zog ich in früher Jugend dem Feinde entgegen
und übte streng, rastlos und ernst
die finsteren Pflichten.
Die höchste Stufe hatte ich kämpfend erstiegen,
die Ehre des Siegers
und des Gelingens fürstlichen Mutes
freudig genossen,
aber öde und leer blieb nach Mühe und Jubel
das fühlende Herz.
Aber es wurden mir ruhige Tage,
da trat die Sehnsucht mächtig hervor
und forderte lauter die Nähe
des weithin gepriesenen Mädchens.

Erwartungsvoll nahte ich ihr.
Bescheiden, aber offen und freundlich
trat mir die Unschuld entgegen.

Mich ergriff des Augenblickes Zauber
und entlockte mir die Frage:
Willst Du mir des Lebens Glück
und Gefährtin sein?
Ein holdes Erröten
ließ mir Gewährung erwarten.

Der Vater sprach für sie das beglückende “Ja“.
Frei leuchtete nun die keusche Flamme der Liebe
in den begehrenden Herzen empor.
Der Bund war geschlossen.
Immer inniger und immer lieblicher
stimmten des Gefühls zarteste Saiten zusammen.
Und mit wachsender Sehnsucht gehen die Geliebten
dem Segen des Priesters entgegen,
um das Bündnis zu heiligen
und unauflöslich zu knüpfen“.

(Quelle: Waltraud de Martin: Schloss Weilburg in Baden bei Wien, Entstehung und Geschichte, Baden 1998, S.18f)

Die Hochzeit fand am 17. September 1815 in Weilburg statt. Ein großes Ereignis, ein Glanzlicht nach der turbu­lenten Kriegszeit!

Henriette starb am 29. Dezember 1829 im Alter von 32 Jah­ren, nachdem sie sich bei ihren Kindern, die an Masern er­krankt waren, angesteckt hatte.
Ihr Schwager, Kaiser Franz I., setzte durch, dass sie trotz ihres protestantischen Glaubens in der Kapuzinergruft der Habsburger Dynastie begraben werden durfte: "Wenn sie als Lebende unter uns geweilt hat, so soll sie es auch als Tote."

Übrigens, fast hätten wir es vergessen: Henriette von Nas­sau-Weilburg brachte 1816 den ersten Weihnachtsbaum nach Wien, ein Brauch, den es im katholischen Österreich noch nicht gab.

Sie gehen jetzt zur Stützmauer, die durch verzierte gussei­serne Gitter und viele Ölkandelaber geschmückt ist.  ZUM MENUE

Vom Schlossgarten aus, genießen Sie die Aussicht auf die Stadtsilhouette rechts der Lahn, die Poststation und die alte steinerne Brücke.

WEILBURGER FORUM e.V.
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