Dienstbach-Steg - Weilburger Rundgang

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Station 7: Ernst-Dienstbach-Steg
  
Der Ernst-Dienstbach-Steg - Zeugnis für kluge Was­server­sorgung der Stadt

Die Brücke ist nach dem Bürger Ernst Dienstbach be­nannt, der im Jahre 1934 10 000 Mark stiftete, damit die alte Kettenbrücke zu einem Fußgängersteg umgebaut werden konnte.
Die alte Kettenbrücke war lediglich dazu bestimmt, Was­serlei­tungsrohre zu tragen. Zwischen den beiden Brü­ckenhäuschen waren acht eiserne Ketten gespannt.
Darüber lagen Bohlen, die Wasserleitungsrohre trugen, die das Wasser vom gegenüber liegenden Berg „Kanapee“ in die Stadt brachten.


Wasserversorgung
Um die Räume des Schlosses, die Wasserspiele und die Stadt mit Wasser zu versorgen, wurde in den Jahren 1710-1715 eine umfangreiche Wasserversorgung errichtet.
Das Wasser wurde im Wehrhölzer Wald aus 20 verschie­denen Quellen, nach Wasserqualität getrennt, gesammelt und zu zentralen Reservoirs geführt.

Über die erstaunliche Bauleistung berichtet die Weilburger Bürgerinitiative „Alt-Weilburg“:
In der ersten Bauphase wurden ca. 11.230 Stück Holz­rohre, beim  weiteren Ausbau ca. 6.000 Stück Tonrohre verlegt. Es sind noch Tonrohre erhalten, die, mit einem Prägestempel ver­sehen, aus Höhr-Grenzhausen stammen. Von den Reservoirs aus wurde das Wasser mit Hilfe eines Dükers durch das Lahntal geführt. Dabei überwindet der Düker auf einer Distanz von 910 Meter einen Höhenunter­schied von 93 Meter.
An seinem tiefsten Punkt erreichte das Wasser ei­nen Druck von über 8 bar. Der Düker bestand aus drei Eisen- Bleirohren.

Die Wasserrohre überquerten die Lahn anfänglich auf ei­ner Holzbrücke.

Das Wasser mit der höchsten Qualität wurde direkt in das Schloss geleitet, das Wasser mittlerer Qualität versorgte die Laufbrunnen der Stadt, und das Wasser geringer Qua­lität gelangte in die Hochbehälter im Kirchturm und ver­sorgte von dort die Wasserspiele im Schlosspark. Die Lei­tungen versorgten die Stadt mit mehr als 120 Litern Was­ser pro Einwohner und Tag.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Wasserversor­gung ausgebaut und ergänzt.
Um 1730 erfolgte die erste Erneuerung der Wasserversor­gung, hierbei wurden die Holzrohre gegen Tonrohre aus­getauscht. Ab 1760 wurde das Reservoir auf eine Kapazi­tät von drei Milli­onen Litern ausgebaut. Bis zur Aufgabe der Wasserversorgung 1888 wurden mehr als 50 Kilometer Rohrleitung verlegt.

Mit Stilllegung der Wasserversorgung 1888 verlor die Brü­cke ihre Funktion. Heute ist sie eine Fußgängerbrücke.“

Mathias Döring hat die Wasserversorgung Weilburgs im 18. und 19. Jahrhundert erforscht und ein lesenswertes Buch ver­öffentlicht: Weilburg und sein Wasser. Die Was­serversor­gung der barocken Residenz im 18. und 19. Jahrhundert, Siegburg und Weilburg 2005.

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